Ich möchte hier das Kapitel nur relativ kurz anschneiden, um einige häufige Symptome bzw. Probleme zu erwähnen. Sollten Sie sich Sorgen um Ihr Chamäleon machen, dann empfehle ich Ihnen dringend, weitere Informationen in Foren und Literatur zu beschaffen. Gerade als Anfänger gehört es dazu, das Chamäleon stets zu beobachten. Gesundheitliche Abweichungen sollten dann früh erkannt werden können. Solche Abweichungen können sich äußern in:
- Apathie bzw. geringe Aktivität
- Nahrungsverweigerung
- Schlaf/geschlossene Augen am Tag
- Veränderungen an Haut, Organen, Extremitäten
- Verletzungen
Nun wäre es sehr sinnvoll, möglichst schnell einen reptilienkundigen Tierarzt oder eine Tierklinkik aufzusuchen. Eine Liste mit Tierärzten finden Sie auf der Webseite der DGHT. Am besten rufen Sie vorher an und besprechen das Problem. Der Gesundheitszustand eines Chamäleons kann sich sehr schnell verschlechtern! Auch eine kurzfristige Besserung bedeutet nicht gleichzeitig Grund zur Entwarnung.
Allgemein ist es sehr wichtig, dass Sie Ihr Chamäleon artgerecht halten und pflegen. Sehr oft sehe ich kranke Tiere mit Mangelerscheinungen aufgrund mangelhafter UV-Beleuchtung oder unzureichender Vitaminverabreichung. Achten Sie deshalb genau auf die Haltungsparameter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, ausreichende Wasseraufnahme usw. (siehe auch Kapitel Terrarium). Meine Erfahrungen zeigen, dass die meisten Probleme vermieden werden könnten, wenn die Halter diese Parameter genauer befolgen würden!
Natürlich kann nicht jede Erkrankung dadurch erklärt werden. Eine Infektion durch Parasiten, Pilze, Bakterien oder Viren kann man nie völlig verhindern. Gerade Wildfänge haben oft Parasiten. Durch den Transport werden die Chamäleons gestresst und dadurch das Immunsystem belastet. Erst dann kann es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen. Aus diesem Grund sollten Anfänger auf Wildfänge verzichten! Man kann das Risiko durch ausreichende Hygiene im Terrarium senken. Außerdem wäre es bei allen Neuanschaffungen sinnvoll eine Kotprobe auf Parasiten untersuchen zu lassen und die Tiere am besten für eine Übergangszeit in einem Quarantänebecken zu lassen.
Bakterien der Gattung Pseudomonas können die sog. Mundfäule verursachen. Das explosionsartige Wachstum der Bakterien verschlimmert die Krankheit sehr schnell. Erkennen kann man die Mundfäule an großen Mengen Eiter zwischen Kiefer und Lippen. Stellt man erst eine akute Entzündung fest, dann gilt es sehr schnell zu handeln. Bakterielle Infektionen können auch die inneren Organe angreifen, wie z.B. Lunge oder Nieren. Eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung durch den Tierarzt ist deshalb absolut notwendig.
Gicht kann auftreten, wenn das Chamäeon zu wenig Trinkwasser erhält und gleichzeitig eine erhöhte proteinreiche Ernährung verabreicht wird. Dabei wird Harnsäure (Produkt aus den Proteinen) in Nieren, Geweben und Gelenken abgelagert (statt ausreichend ausgeschieden). Die Gelenke schmerzen. Die Gicht führt zu einer Verdickung der Gelenke an den Beinen und Füßen. Die Mobilität des Chamäleons wird dadurch mehr und mehr eingeschränkt. Man kann durch abwechslungsreiche Kost in Maßen und genügend Trinkwasser der Gicht entgegen wirken. Sollte eine Nierenfunktionsstörung vorliegen, dann hilft u.U. nur eine Therapie.
Rachitis ist die Folge einer Mangelerscheinung von Vitamin D3 bzw. Calciummangel. Es handelt sich dabei i.d.R. um eine Calcium-Phosphat-Stoffwechselstörung mit Konsequenzen auf den Knochenbau. Die Knochen können mangels Calcium nicht mehr richtig aufgebaut werden, was zu Deformationen führen kann z.B. gebogene Beine, gekrümmter Kiefer usw. In schlimmeren Fällen sind Knochenbrüche nicht mehr auszuschließen. Verstärkt wird das Problem bei trächtigen Weibchen, deren Bedarf an Calcium und Vitaminen ungleich größer ist. Es ist deshalb auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D 3 und eine gute Beleuchtung, wie z.B. Lucky Reptile Bright Sun oder Osram Vitalux zu achten. Mineralien mit Calcium, Magnesium (wird benötigt um Calcium zu absorbieren!) sollten regelmäßig verabreicht werden. Ein gutes Calcium- Phosphor- Verhältnis liegt bei 2:1 also achten Sie bei Vitaminpräparaten auf eine nicht zu hohe Phosphorkonzentration.
Als letztes möchte ich noch die Legenot ansprechen. Dabei handelt es sich oft um eine physiologische Störung, die auftreten kann, wenn das Weibchen z.B. kein geeignetes Bodensubstrat, oder zu wenig Bodensubstrat auffinden kann. Weitere möglichen Ursachen wären Stress, Dehydratation, Stoffwechselstörungen (siehe auch Rachitis!), zu große Eier usw. Es kann also auch durchaus um eine pyschogene Legenot handeln. Die Ursachen sind also tatsächlich vielfältig und alle haben gemeinsam, dass das Weibchen die Eier nicht ablegen kann. Vermutet man so eine Legenot, dann kann der Tierarzt mit Hilfe eines Röntgenbilds die Legenot behandeln. Wegen der Legenot wird in manchen Büchern eher zum Kauf eines Bocks geraten. Hält man sich aber an die beschriebenen Haltungsbesdingungen und bietet stets eine ausreichend dicke Substratschicht an, dann sollte das Problem Legenot kein Thema sein. Aber Achtung: es kann auch zu einer Legenot kommen, wenn die Eier nicht befruchtet worden sind, sprich das Weibchen alleine gehalten wird!
Parasiten ein sehr komplexes und mitunter schwieriges Kapitel, welches hier wegen dessen Bedeutung aber vereinfacht erwähnt werden muss. Nicht wenige Tiere verenden an Parasiten. Gerade für Wildfänge werden Parasiten oft zum Verhängnis.
Man unterscheidet grob Endoparasiten (Innenparasiten) und Ektoparasiten (Außenparasiten). Ektoparasiten kann man mit Hilfe einer Lupe oder hochauflösenden Digitalkamera selbst relativ leicht erkennen. I.d.R. handeln es sich um Milben und Zecken. Endoparasiten weißt man am besten per Kotprobe (immer möglichst frisch) oder einer Darmspülprobe nach. Beides erledigt normerweise jeder reptilienkundige Tierarzt oder speziell eingerichtete Labors.
Grundsätzlich ist es ratsam ein neugekauftes Tier erst einmal in einem Quarantänebecken unterzubringen. Bevor es mit anderen Tieren in Kontakt kommt, sollte es stets auf Parasiten untersucht werden. Das gilt auch, wenn das Tier auffällig wird. Solche Auffälligkeiten äußern sich in Durchfall (u.U. auch blutig), Nahrungsverweigerung, vermehrte Wasser-aufnahme, Apathie, Abmagerung, eingefallene Augen usw. Aber selbst wenn das Tier völlig gesund erscheint, heißt es nicht, dass es frei von Parasiten ist, denn manche Parasiten wie z.B. Flagellaten machen das Tier nicht gleich krank. Erst wenn es zu einer Massenvermehrung aufgrund eines geschwächten Immunsystems kommt, wirken sie pathogen. So kann z.B. der Transport eines Teppichchamäleons bereits Auslöser für so eine Erkankung sein!
Manche Endoparasiten benötigen Zwischenwirte, um sich vermehren zu können (indirekter Entwicklungszyklus) Bsp. Filarien. Demnach sinkt das Risiko für Nachzuchten an solchen Parasiten zu erkranken, weil der spezielle Zwischenwirt (Stechmücke usw.) fehlt. Keinen Zwischenwirt benötigen Oxyuren (Nematoda), Amöben, Flagellaten, sowie Kokzidien.
- Kokzidien befallen Schleimhautzellen Darm/Galle und Niere --> führen bei Jungtieren oft zum Tod! Sie sind im Kot relativ leicht nachzuweisen. Oft fehlen aber typische Krankheitssymptome!
- Wässriger Kot, Erbrechen, Blut im Kot sind häufige Zeichen bei einem Massenbefall von Flagellaten. Sie sind meistens im Darm und Harnbereich zu finden. Können aber auch Blutgefäße und Gewebe befallen
- Amöben (Entamoeba invadens) führen zu schweren Darmentzündungen --> über Blutbahn auch Schädigung der Leber
- Oxyuren sind Rundwürmer, die den Endtrakt des Darmes bewohnen